Roadshow „BIM im Immobilienlebenszyklus: The State of the Art 2019”

Die Eventreihe zum Erfahrungsaustausch über realisierte Projekte zur Digitalisierung und zum Einsatz von BIM, die Roadshow „BIM im Immobilienlebenszyklus: The State of the Δrt”, startet durch, mit dem BIM DIALOG 2019: Mit sieben Experten der M&P Gruppe, der BEGIS – Beratungsgesellschaft für Informations Systeme, der allvisual ag und von
Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Planen und Bauen am 21. März am Flughafen Köln/Bonn. Das Thema: „BIM – vom Betrieb in die Planung: Ist eine vom Betrieb losgelöste Planung sinnvoll?“ Mit dabei ist auch Christian Heins, Jade Hochschule Oldenburg, Teilzentrum Nord der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Initiative zum Wissenstransfer.

Immo-KOM: Herr Heins, worum geht es bei der Initiative Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Planen und Bauen genau?

Christian Heins: „Es geht darum, kleine und mittelständische Unternehmen sowie Handwerksbetriebe der Bau- und Immobilienwirtschaft in der Digitalisierung zu unterstützen.
Im Rahmen des Förderschwerpunkts Mittelstand-Digital wird das `Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum: Planen und Bauen´ vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert. Insgesamt bringen zwölf Partner aus Wissenschaft und Praxis, verteilt über ganz Deutschland, ihr Knowhow aus der Bau- und Immobilienbranche ein. Unser Ziel: Die BIM Debatte ausweiten, bestehende Referenzprojekte für digitales Planen und Bauen besser verwerten und breiter bekannt machen. Dabei sollen Diffusion und Verwertung erfolgreicher Ansätze innerhalb aller Phasen beschleunigt und die Anwendbarkeit erlebbar gemacht werden!“

Immo-KOM: Am Flughafen Köln/Bonn sprechen Sie zum Thema: „BIM – vom Betrieb in die Planung: Ist eine vom Betrieb losgelöste Planung sinnvoll?“ Stellt sich diese Frage überhaupt noch im Jahr drei nach Veröffentlichung des Stufenplans Digitales Planen und Bauen durch die Bundesregierung?

Christian Heins: „Ja, das tut sie, denn wer den Nutzen von BIM realisieren will, der muss zu Änderungen bereit sein und will dazu überzeugt werden: Das Wohlfühlklima des Gebäudes bestimmt bekanntlich der Architekt, den Schutz der Bauingenieur, die Versorgung mit Luft/Wärme etc. der TGA-Planer – die funktionale/normenkonforme Integration aber der FMVerantwortliche.
Er sollte daher schon ab dem Start eines Bauprojektes in die Gebäudekonzipierung involviert sein. Denn weder ein Architekt oder Bauingenieur noch ein TGA-Planer wissen, wie sich etwa die unterschiedlichen TGA-Konzepte und die Möglichkeit des Energieträgerwechsels auf die Betriebskosten auswirken oder wie die erhobenen Informationen der Planungsphase medienbruchfrei in das CAFM/SAP-System überführt werden können. Betrachtet man dann die durchschnittliche Kostenverteilung im Immobilien Lebenszyklus mit einem Verhältnis von Planung zu Betrieb bei 1:60-80, muss jedem Bauherrn klar werden, wieso er sein Projekt vom Ende her denken sollte.“

Immo-KOM: Sie haben an mehreren bereits realisierten BIM Projekten mitgewirkt. Wo lagen denn aus ihrer Sicht die größten Herausforderungen für ein durchgängiges digitales Datenmanagement?

Aus Druck entstehen entweder Diamanten oder Asche. Die Vergangenheit zeigt, dass im Bauwesen bei Zeitdruck eher Asche entsteht.

Christian Heins: „Zeitdruck! Aus Druck entstehen entweder Diamanten oder Asche. Die Vergangenheit zeigt, dass im Bauwesen bei Zeitdruck eher Asche entsteht. Die Qualität wird bis zum Grenzwert herabgesetzt. Hauptsache die Meilensteine können eingehalten werden, um bspw. der Konventionalstrafe zu entgehen. Dadurch sind innovative Methoden solange nebensächlich, bis diese sich verallgemeinert haben. Dann sind die Methoden nicht mehr innovativ, sondern eher die anerkannte Regel der Technik. Nach meiner Erfahrung wurde und wird einfach zu spät mit allen Projektbeteiligten kommuniziert.“

Immo-KOM: Was heißt das genau mit Blick auf BIM?

Christian Heins: „Es fehlt dann zum Beispiel ein Richtlinien Dokument, das die Grundlage einer BIM-basierten Zusammenarbeit definiert, den BIM-Abwicklungsplan (BAP). Dieser legt die Pflichten für alle Protagonisten des Projektteams fest: Wie werden die erhobenen Daten im Projektteam, also organisationsübergreifend / interdisziplinär, so ausgetauscht, dass sie bestmöglich weiter verwendet werden können? Nur die wenigsten testen etwa bidirektional den Im- und Export komplexer Bauteilgeometrien und deren alphanummerischen Anhänge.
Welches Klassifizierungssystem soll vereinbart werden? Einigt man sich auf einen allgemeinen Modellierungsstandard usw.? Meistens können Daten (wenn überhaupt) vom Folgegewerk nur gelesen, aber nicht weiterverwendet werden. Für BIM-Neulinge entfällt damit der Mehrwert von BIM schlagartig und alles Weitere an Vorteilen wird ebenfalls in Frage gestellt.

Immo-KOM: Wie sind Sie dann in den Projekten damit umgegangen, um diese Herausforderung zu beherrschen?

Man muss sich auf die BIG-Points konzentrieren

Christian Heins: „In solchen Fällen muss man sich auf die „Big-Points“ konzentrieren, also auf die Punkte, mit denen sich durch relativ wenig Aufwand viel Geld verdienen lässt bzw. größtmöglich Kosten gespart werden. Um Einige zu nennen:
• Innerhalb der Planung: Konzentration auf die Massenermittlung und die Kollisionserkennung.
• Damals, eigentlich noch wie zum größten Teil heute, haben wir 2D-Pläne und die 2DBaustatik verschickt. Zur Unterstützung haben wir die 2D-Planung mittels IFC 3D abgebildet und über BCF kommuniziert, um mehr Planungssicherheit im Büro und auf der Baustelle zu erlangen. Gerade bei hochkomplexen Anschlussbereichen hilft eine 3D-Veranschaulichung der ordnungsgemäßen Montage eminent.
• In Bezug auf die Massenermittlung haben wir 2D-Pläne räumlich nachmodelliert und die Massen aus dem Modell herausgezogen. Diese wurden dann Eins-zu-Eins ins Leistungsverzeichnis übertragen. Und das teilweise nicht VOB-konform, da in einem „As-Build-Model“ bspw. pauschale Abzugsmaße für Fenster und Co. obsolet sind.
• Unser Bauwerksmodell diente in Baubesprechungen der Kommunikation in Bezug auf den (Soll/IST)-Abgleich auf der Baustelle. Unser Bauwerksmodell wurde sozusagen als digitales Ordnungssystem verwendet.“

Immo-KOM: Immerhin – aber wenn wir dann konkret auf eine FM-gerechte Planung zielen, wissen denn die Verantwortlichen im heutigen Gebäudebetrieb, wie sie die Planer briefen müssen?

Christian Heins: „Um eben diese Frage geht es ja auch beim BIM-DIALOG 2019: BIM – vom Betrieb in die Planung. Hier berichten diejenigen, die das in den Projekten der M&P Gruppe und der BEGIS bereits realisiert haben.“

Programm und Anmeldung: https://www.immo-kom.com/bim-dialog/

Mit: Olf Clausen, CEO M&P + Miguel Ebbers, Leiter Kompetenzzentrum + Andreas Germer, Geschäftsführer BEGIS + Christian Heinz, Jade-Universität + Benjamin Kaulich, CCO allvisual ag + Sven-Eric Korff, Geschäftsführer M&P + Prof. Dr. M. Thomzik, Westfälische Hochschule.

Der BIM-DIALOG 2019 findet statt im Rahmen der Roadshow „Immobilienlebenszyklus: The State of the Art 2019“ und richtet sich an Bauherren, Betreiber, Dienstleister, Eigentümer, FM-gerechte Planer, FMVerantwortliche, Investoren in der Bau- und Immobilienwirtschaft und weitere Interessierte. Das eintägige Programm fokussiert praktische Projekterfahrungen mit Engineering, Consulting und IT-Lösungen in der
Digitalisierung und beim Einsatz von BIM in den einzelnen Phasen des Immobilien Lebenszyklus ebenso wie in der ganzheitlichen Betrachtung. Getragen wird der BIM-DIALOG 2019 vom Kompetenzzentrum für Digitalisierung/BIM der M&P Gruppe in Kooperation mit der Beratungsgesellschaft für Informationssysteme, der BEGIS Düsseldorf. Die Anzahl der Teilnehmer ist auf 50 begrenzt.

Schreibe einen Kommentar